GENF –
Sind Diesel und Oberleitungen von gestern? In Genf ist heute erstmals ein Bus gefahren, der sich alle paar Kilometer mittels eines ausfahrbaren Rüssels auflädt.

Ob St. Gallen, Luzern, Bern oder Zürich: In den meisten Deutschschweizer Städten speisen sich Busse aus Oberleitungen. Eine Technologie, die schon ein Jahrhundert alt ist.

Seit heute Dienstag ist eine neue Technologie auf dem Markt: In Genf hat ein Bus Passagiere transportiert, der sich nur alle paar Kilometer auflädt. Und so gehts: Der Chauffeur lässt einen Rüssel aus dem Dach fahren, der an einer Aufladestation andockt (siehe Video oben). Nach 15 bis 20 Sekunden hat der Bus wieder Pfuus, um drei bis vier Haltestellen zurückzulegen – dann muss er wieder den Rüssel ausfahren.

«Gleich teuer wie Oberleitungs-Netzwerk»

Zwei Busse haben der Hersteller Hess aus Bellach SO und der Industriekonzern ABB heute an die Genfer Verkehrsbetriebe TPG ausgeliefert, zehn weitere sollen folgen. Preis: 24 Millionen Franken.

Das System spart gegenüber den Diesel-Bussen, die jetzt noch im Einsatz sind, pro Jahr rund 1000 Tonnen CO2.

«Leider ist Diesel immer noch die billigste aller Antriebs-Optionen. Er ist aber auch enorm umweltbelastend», sagt Remo Lütolf, Chef von ABB Schweiz, zu BLICK. «Elektrobusse sind viel nachhaltiger, und können dank Batteriebetrieb auch ohne störende Oberleitungen betrieben werden. Zudem brauchen sie nur relative kleine Batterien und sind wirtschaftlich im Betrieb.»

Ist diese Vorführung nicht einfach ein Technik-Schnickschnack, den die meisten Verkehrsbetreiber doch nie einsetzen werden? «Wir sehen für diese Innovation ein grosses Marktpotenzial, auch im Ausland, und so hat die französische Stadt Nantes schon 20 Busse mit ABB Technologie im Wert von 20 Millionen Franken bestellt», sagt Lütolf. «Und auch in Genf werden noch mehr dazukommen.»

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